Diese Zeit im Jahr ist von Elohím ganz besonders dafür geschaffen, zu Ihm zurückzukehren, Teschuváh zu machen (Teschuváh kommt von schúv und bedeutet Umkehr). Die Feste, in deren Zeit wir uns befinden und die nun anstehen: Ióm Teruáh (der Tag des langgezogenen Schofar-Tons), Ióm haKipurím (Tag der Sühn-Opfer – an unserer Stelle) und Sukót (Hütten, daher der deutsche Ausdruck für dieses Fest: das „Laubhüttenfest“) sind das langgezogene Ende der drei großen Jahresfeste, die zu ein und demselben Ziel führen: in die heilige Gegenwart ADONÁIs, unseres Elohím.
Nach diesen Festen und nachdem wir getan haben, was Elohím von uns fordert, können wir nun wirklich die Frucht dieses Gehorsams erwarten. Welches ist diese Frucht? Es hat mit den verschiedenen Bereichen unseres Lebens zu tun: unsere Beziehung zu Elohím, unser Herz, unser Handeln, unsere Gefühle und Gedanken, unser Verhalten gegenüber unserer Familie, unsere Arbeit, unsere Beziehung zu anderen, zu Glaubensgeschwistern, usw.
UNSERE PERSÖNLICHE BEZIEHUNG ZU ELOHÍM
Elohím weist uns an, in diesen „Iomím haNoraím/schrecklichen Tagen“ um Vergebung zu bitten und Buße zu tun wegen der Armseligkeit unserer Beziehung zu Ihm. Wir sollen darüber nachsinnen, wie unsere PERSÖNLICHE Beziehung zu Ihm gewesen ist und wo wir in diesem Bereich gefehlt haben. Wir mögen uns vorgenommen haben, diese Beziehung zu verbessern, die Zeit aber ohne sichtbare Frucht verbummelt haben. Wir sollten nicht aus den Augen verlieren, was die Haupt-Absicht unseres Lebens ist, nämlich: Ihn zu verstehen und zu erkennen/iadáat Otí (Jer. 9,24). In gewisser Hinsicht sind wir wie eine Raumfahrtsrakete aus Fleisch mit einer internen geistlichen Kapsel, die ins All gesandt wird, um einen gewissen Planeten zu erreichen, der Lichtjahre entfernt liegt. Schon nur dadurch, dass die Rakete ankommt, ist ihre Mission erfüllt und sie kann am Boden des Planeten ruhen, weil die Mission absolut erfolgreich war. So ist es auch mit uns. Elohím hat uns mit einer Mission auf diese Erde gesandt: Durch die Schiksalswendungen, die Aufs und Abs unseres ereignisreichen, kurzen Lebens, durch Mitmenschen und Tragödien, Jenen kennenzulernen, der uns auf diesen Planeten geschickt hat. Wenn wir das tun, sind wir absolut erfolgreich. Wenn nicht, dann ist alles, was wir bisher getan und erreicht haben nur „Chével“. - Eine bessere Übersetzung von Chével ist: „der von einem vergammelnden Kadaver aufsteigende Gestank“. So hat es der König Schlomóh/„Salomo“ in seinem berühmten Buch „das Hohelied/Schir haSchirím/Lied der Lieder“ übersetzt.
UNSER HERZ
Ein weiterer Bereich unseres Lebens ist unser Herz. Wie sieht es mit unserem Herzen aus, in unserer Beziehung zu Elohím, zu uns selbst, zu unseren Familienangehörigen (Eltern, Geschwister, Kinder, nahe Verwandte), zu den Glaubensgeschwistern unserer messianischen Synagoge, zum Land in dem wir leben, zur Außenwelt? Dies ist eine Zeit der Umkehr/Teschuváh, auch in Bezug zu einem geheilten Herzen - Heilung von aller Ablehnung, allem Hass, allem Nicht-vergeben-wollen/können, Verhärtung, Gleichgültigkeit gegenüber den oben Genannten und jener, die Elohím uns über den Weg schickt, seien es Bettler oder Mitmenschen, die Elohím kennenlernen sollen. Der eine oder andere von uns hat dieses oder jenes der genannten Probleme des psychischen Herzens und ist hier oder da noch nicht geheilt.
Dies ist die Zeit, um zu heilen. Wie es eine Zeit zum Pflanzen oder Säen im Jahr gibt, so gibt es auch eine Zeit, um (psychisches) „Unkraut“ auszurupfen aus der Erde unserer Seele, Unkraut, das den Platz positiver Gefühle einnimmt, die vom Geist/Rúach und vom im Geist leben kommen. Dies sind die in Gal.5,22-23 erwähnten Gefühle: „Die Frucht aber des Geistes/Rúach ist: Ahaváh/aufopfernde Liebe, Óscher/Freude, Schalóm/Friede (nach gewonnenem Krieg), geduldige Ausdauer, Freundlichkeit, Gütigkeit, Emunáh/Glaube (an die Wahrheit Elohíms), Sanftmut und Selbstbeherrschung. Dagegen hat die Toráh nichts einzuwenden.” Dies beweist auch, dass es Toráh gibt gegen alles in Gal.5,19-21 genannte! Unser Herz ist ein Garten, in dem, wie in jedem Garten, entweder Unkraut oder sorgsam gepflanzte und gepflegte Blumen wachsen können. Die neun oben genannten Früchte des Geistes/Rúach sind diese delikaten Blumen.
UNSERE GEDANKEN, GEFÜHLE UND HALTUNGEN
Das erste, was wir bewachen müssen, sind unsere Gedanken, denn in den Gedanken werden die schwersten Sünden erdacht, die dann mit den Händen (was wir tun) oder mit den Füßen (wohin wir gehen) ausgeführt werden. Unser Kopf ist auch ein Garten, wo wir Unkraut wachsen lassen oder gute Früchte pflanzen und züchten können - schöne und geistliche Gedanken, die uns Elohím und unseren Mitmenschen näher bringen. Aus diesen Gedanken kommen unser Verhalten und unsere Gefühle (die in gewisser Weise von den Gedanken kontrolliert und geleitet werden) gegenüber Elohím und den Mitmenschen.
Jeder von uns hat gewisse „Einstellungen, Konfigurationen“, eine gewisse Ansammlung von Gedanken, Gefühlen und Haltungen. Manche dieser Einstellungen sind fast ganz gesund – wie in dem Fall, wenn kein negativer Charakterzug zu erkennen ist (was praktisch nie vorkommt). Andere haben eine Mischung von positiven und negativen Charakterzügen, die goldene Mitte, das Normale. Die zehn Tage zwischen Ióm Teruáh und Ióm haKipurím sind ideal dafür, mit Hilfe des Heiligen Geistes/Rúach haQódesch eine detaillierte innere Bestandsaufnahme unserer persönlichen Einstellung zu machen, um das zu entfernen, was Elohím stört an unserem Verhalten und unserer Einstellung, und anzufangen jene Früchte zu pflanzen, die wir bereit sind, zu pflanzen – sei es ein klitzekleiner Same Ahaváh-Liebe oder wenigstens Freundlichkeit. Freundlichkeit ist eine Haltung von Bereitschaft, Annahme und Vergeben der negativen Charaktereigenschaften derer, die uns umgeben und die uns normalerweise ‘auf die Palme bringen‘ und die wir wahrhaftig nicht tolerieren an anderen - mit uns selbst sind wir toleranter.
DAS ZUDECKEN VON SÜNDE/KAPARÁH UND DIE REINIGUNG/TAHARÁH
Abgesehen vom schon erwähnten Grundbegriff, Teschuváh, gibt es in diesen schrecklichen Tagen zwei weitere, die im schon erwähnten inbegriffen sind. Der erste davon ist: die „Kaparáh“. Die Kaparáh ist das Tier, das vom Hohen Priester/Kóhen haGadól im Tempel in Iruschaláim geopfert wurde, und das FÜR und ANSTELLE VON uns (dem Volk Israel) starb. Nach dem ersten Kommen Ieschúas ist Ieschúa der Kóhen haGadól (wie es in Ivriím/Hebräer 9,25-28 heißt), und Er ist auch die an Péssach/Passah geopferte Kaparáh, deren Blut uns von Sünde befreit an diesem von Elohím festgelegten Fest/Moéd. Alle messianische Juden, die wir versuchen, die Feste/Moadím zu halten, „versuchen“ es nur, oft ohne viel Erfolg. Diese Sünden, die Feste/Moadím NICHT angemessen zu halten, müssen vom Blut Ieschúas (der unsere Kaparáh ist) zugedeckt werden. Dank diesem Zudecken erhalten wir Vergebung von Sünden. Wir sind dadurch jedoch nicht davon „befreit“, die Toráh halten zu müssen, noch werden wir „vom Gesetz befreit“, wie das Christentum und viele messianische Synagogen lehren. In 1.Joh.3,4 haben wir eine ganz klare Definition von Sünde: “… Sünde ist: das Nicht-Einhalten der Toráh (in Griechisch: anomía).“ Dies ist die Absicht von Ióm haKipurím (für die Juden nach dem Glauben, die messianischen Juden): uns mit dem Blut Ieschúas zuzudecken.
Aber was passiert, wenn wir wieder und wieder sündigen, einfach, weil wir es nicht lassen können (wie bei einer Sucht), oder weil wir es ein oder zweimal nicht vermeiden können, oder weil unsere mentale oder emotionale Einstellung uns treibt, es wieder zu tun? Dafür gibt es im Judentum den zweiten Grundbegriff: die Taharáh, die Reinigung. Während die Kaparáh von Elohím kommt, von außerhalb unseres Seins, kommt die Taharáh/Reinigung von innen. Sie kommt daher, dass wir die Einstellung unserer Psyche, unserer Seele und unserer Gedanken verändern, dass wir den Garten unserer Seele vom Unkraut befreien, das uns zur Sünde und zum Irrtum verleitet.
Teschuváh schließt eine permanente und regelmäßige (mindestens wöchentliche) Reinigung/Taharáh mit ein. Vielen fällt es nicht schwer, sich im Gym ein paar Muskeln anzutrainieren. Aber wie selten schwitzen wir unsere Sünden und Gedanken und sündigen Neigungen aus, um die Taharáh/Reinigung zu erreichen! Wir sollten einen Rekord aufstellen und unsere Seele durchleuchten, d.h., Cheschbón haNéfesch machen an unseren Gedanken, Haltungen, negativen Einstellungen und Neigungen, und sie jeden Schabbát (dem idealen Tag für so eine Art von Examen) überprüfen. Schreiben wir doch einmal auf, warum und wann diese oder jene Neigung zum Bösen in unserem Leben aufgetaucht ist, und was wir beten und bitten oder tun könnten, um zu vermeiden, das nächste Mal wieder über dasselbe zu stolpern.